Leistungssport Schafschur 

Wintersingen | Vize-Weltmeister schert Webers Schafe

Bei kühlen Temperaturen wurden am Samstagmorgen in Wintersingen in kürzester Zeit über 50 Schafe geschoren. Nicht zu übersehen waren die langhaarigen Walliser-Schafe des Buusner Regierungsrats Thomas Weber.

Caroline Bobillier

Während die meisten Einwohner des Dorfs noch tief schlafen und den gemütlichen Einstieg ins Wochenende geniessen, beginnt für David Michel, Organisator des Schafscherens in Wintersingen, der Samstag schon früh morgens.

Das Wochenende in Wintersingen startet mit einem bedeckten und sehr kühlen Samstagmorgen. Immer mehr Schaf-Besitzer fahren mit ihrem Anhänger voller wolliger Schafe ein. Die Schafe scheinen es kaum erwarten zu können, ihre winterliche Wollpracht loszuwerden. Gespannt erwarten die Schaf-Besitzer den irischen Ivan Scott,Vize-Weltmeister im Schafscheren. Seit knapp zehn Jahren komme er jeweils im Frühling und Herbst für das Schafscheren nach Wintersingen, so David Michel: «Er macht das super.» David Michel, – dessen Vater schon Schafe hielt – der selber seit 35 Jahren im Besitz von Schafen ist, organisiert seit ungefähr 10 Jahren das Schafscheren in Wintersingen. Am Samstagmorgen hat Ivan Scott in Wintersingen über 50 Schafe aus Buus, Olsberg und Wintersingen geschoren. Nicht zu übersehen sind Thomas Webers fünf Walliser-Schwarznasen. Der Oberbaselbieter Regierungsrat habe die Leidenschaft für die flauschigen Tiere im Jahr 2008 entdeckt. Diese seltene Walliser-Rasse habe ihn schon lange interessiert, sagt Weber. Seit sieben Jahren lasse er Iwan Scott seine Herzenstiere scheren und gibt sich äusserst zufrieden mit dem Ergebnis. Für Regierungsrat Thomas Weber ist der Umgang mit den Schafen sehr wichtig: «Für Ivan Scott ist das Schafscheren als Vize-Weltmeister eine sportliche Herausforderung.» Die geschorene Wolle wird zur Weiterverwendung hauptsächlich im Baubereich verwendet, so Weber.

Schafschur als Hobby

Wirtschaftlich gesehen rentiert die Schafschur nicht: Ein Schaf kostet sechs Franken, während der Verkauf der geschorenen Wolle nur zwei Franken einbringt. In Häfelfingen werden seit neuem Nolana-Schafe gezüchtet: eine Rasse, die keine nachwachsende Wolle hat und deswegen nicht geschoren werden muss. Halte ein Besitzer aus wirtschaftlichen Gründen Schafe, seien Nolana-Schafe sicher eine gute Alternative, so Thomas Weber: «Ich betreibe die Schafhaltung und Schafschur als Hobby.» Dies sieht auch David Michel so. Die Nolana-Schafe würden ihre Wolle im Frühling zwar von selbst abstossen, doch Michel wertet das nicht als Vorteil: «Die Wolle liegt auf dem Land herum, wo sie anschliessend mühsam zusammengesucht werden muss.» Nach einer Schur seien seine Schafe sauber und er habe auf seinem Land keine Wollreste, sagt er.

Das Zeremoniell der Schafschur habe in den letzten Jahren eindeutig abgenommen, so Michel. Auch wenn die jüngeren Generationen heute andere Interessen haben, ist für ihn das Schafscheren zu einer wichtigen Tradition geworden. Er schätze vor allem das kollegiale Beisammensein und sich über sein langjähriges Hobby auszutauschen.

«90 Sekunden pro Schaf!»

In der Zwischenzeit ist Iwan Scott eingetroffen. Mit gekonnten Griffen schert er ein Schaf nach dem anderen. Thomas Weber blickt plötzlich von seiner Uhr auf und stellt beeindruckt fest: «90 Sekunden pro Schaf!» Systematisch wird, währenddem ein Schaf geschoren wird, das nächste bereits aus dem Anhänger geholt und bereitgehalten. Ivan Scott bringt das Schaf mit einem Griff in die optimale Position und legt die professionelle Schafschermaschine an. Geschoren wird als Erstes die Bauchpartie, als Nächstes die Beine und über die Halspartie zum Rücken, bis die Wolle in einem Stück vom Schaf abfällt.

Man könne das Scheren der Schafe mit Rasieren beim Menschen vergleichen: «Es bereitet ihnen keine Schmerzen», so die aus Olsberg kommende Monika Rytz. Die Arbeit dürfe nicht unterschätzt werden, denn die bis zu 80 kg schweren Schafe können auch bockig sein, so Rytz: «Aus diesem Grund sind Schafscherer meist Hochleistungssportler.» Gewappnet für die wärmere Jahreszeit kehren am Samstagmorgen über 50 geschorene Schafe aus Wintersingen in ihre Ställe zurück. Ivan Scott wird durch ein Mittagessen für die nächste Schafschur gestärkt und die mit dem Ergebnis zufriedenen Schaf-Besitzer machen sich wieder auf den Heimweg. Ein aufregender Einstieg ins Wochenende für Wintersingen.