20130801 ballon ch

 

„Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen, aber bei einer sollte man mitmachen“

  

Das Zitat des Schweizer Schriftstellers Paul Schibler soll heute im Zentrum stehen. Nicht in erster Linie wegen der Hochzeit (Ich habe meine Frau an einem 1. August geheiratet – das hat den gewaltigen Vorteil, dass ich den Hochzeitstag nie vergesse, denn spätestens, wenn das Feuerwerk losgeht kommt es mir wieder in den Sinn…)

Es geht um das berühmte „Mitmachen ist wichtiger als gewinnen“: Wer sich zum Beispiel in der Freiwilligenarbeit engagiert, wird in der Regel nichts Materielles gewinnen. Der Lohn ist die Befriedigung, dass man   etwas Gutes leistet und dass man vor allem Erfahrungen aller Art gewinnt. Das gilt für die Arbeit in der Gemeinde, in den Vereinen – wie am heutigen Fest – oder auch bei der Betreuung von Kindern, Senioren oder Pflegebedürftigen. Beispiele gibt es viele – und überall brauchen wir Menschen, die mitmachen.

„Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen, aber bei einer sollte man mitmachen.“ Gerade in der heutigen Zeit, wo es so viele nötige und unnötige Beschäftigungen gibt, sollten wir uns klar machen, dass wir nicht überall dabei sein können, aber an einem Ort dafür richtig, freiwillig und engagiert, sollte doch möglich sein.

Unsere Schweiz würde ohne Freiwilligenarbeit gar nicht funktionieren. Man sagt dem bei uns „Milizprinzip“. Und dazu müssen wir Sorge tragen: Jede und Jeder soll nach seinen Kräften dazu beitragen und, eben konzentriert und sicher an einem Ort, mitmachen. Wenn unsere Vorfahren nicht mitgemacht hätten, dann wären wir jetzt nicht hier als freie Eidgenossen und auch nicht als selbständige Baselbieterinnen und Baselbieter.

Die Gemeinden haben sich vor 180 Jahren als selbständiger Halbkanton Basel-Landschaft konstituiert, sie haben sich eine liberale, freiheitliche moderne Verfassung gegeben. Diesen Schwung, dieses Engagement für eine gemeinsame Sache wünsche ich mir manchmal zurück. Heute plätschert oft alles so vor sich hin. Wir regen uns auf hohem Niveau über Details auf und vergessen, dass wir zu unseren Grundwerten wie Freiheit, Demokratie, staatliche Souveränität, Sicherheit Sorge tragen müssen. Diese Werte sind nicht einfach für alle Zeiten gegeben, sie benötigen unseren täglichen Einsatz.

Seit jeher war auch die Milizarmee ein ganz wesentlicher Teil der politischen Schweiz: Nicht immer geliebt, am Sonntag Abend vor dem Einrücken manchmal verwünscht, aber wichtig, nötig und trotz Wehrpflicht zu wesentlichen Teilen freiwillig, von der Bevölkerung und der Wirtschaft getragen, ein Modell für Miliztätigkeiten in vielen anderen Bereichen: Denken wir daran auch am 22. September bei der Abstimmung über die Initiative mit dem verführerischen Titel „freiwillige Milizarmee“ von der „Gruppe Schweiz ohne Armee“ und sagen wir NEIN zu Unsicherheit und zu einer weiteren Schwächung unserer Armee und unseres Landes.

Einer der Revoluzzer aus der Baselbieter Gründungszeit war Johann Ritter. Immer wieder war dieser Johann Ritter dabei, wenn es galt, die direkt-demokratischen Rechte zu sichern. Er gehörte 1831 zu der ersten provisorischen Baselbieter Regierung. In seiner Wohngemeinde Sissach war er zwischen 1837 und 1863 als Schulpfleger, Gemeinderat und Gemeindepräsident aktiv. Sie sehen es, schon damals waren Freiwillige nötig, die mitgemacht, auf Bequemlichkeit verzichtet und persönliche Risiken in Kauf genommen haben. Dieses Engagement für die Freiheit und gegen die Unterdrückung zahlte sich aus. Es war der Anfang des Kantons Basel-Landschaft, der sich mehr und mehr entwickelt hat. Das Wachstum und die Veränderungen im 19. Jahrhundert stellten die Gemeinden, die Kantone und den Bund bald vor neue, schwierige Aufgaben: Verkehr, öffentliche Beleuchtung, Wasserversorgung, Kanalisation, Strassenreinigung, Post und Telefon, nicht zuletzt auch die Gerichts- und Polizeiaufgaben. Beherzte Leute setzten sich dafür ein, dass diese Aufgaben bewältigt, die anstehenden Probleme gelöst werden konnten und immer noch bewältigt werden können.

Diese Leute haben Ja gesagt und mitgemacht - und damit ganz sicher das ewige Vorurteil widerlegt, wir Baselbieter könnten nicht ja sagen. Den besten Beweis dagegen liefert übrigens die letzte Strophe des Baselbieter Lieds, wo es heisst: «Wit du fürs Rächt yschtoo?», do heisst’s nit, dass me luege well, do säge alli «Jo». Fürs Rächt yschtoo: Das heisst nicht in erster Linie, mit dem Nachbar vor Gericht zu gehen, wenn sein Lebhag ein paar Zentimeter zu breit oder zu hoch ist. Fürs Rächt yschtoo heisst vielmehr dass wir alle, jeder und jede Einzelne mitmachen in in unserem Verein, in unserer Gemeinde, in unserem Kanton, in unserem Land. Fürs Rächt yschtoo heisst, dass wir uns über den normalen Arbeitstag hinaus engagieren, dass wir durchhalten und für unsere Sache kämpfen, freiwillig und immer wieder.

Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen, aber bei einer sollte man mitmachen. Machen wir also dort mit, wo wir es am besten können. Sagen wir Ja, engagieren wir uns! Es lohnt sich für die Sache und es lohnt sich letztlich eben auch für uns als Einzelne.

In diesem Sinne wünsche Ihnen allen eine gute Zeit – mit oder ohne Hochzeitstanz!